Neuigkeiten aus Castelseprio

Im Mai und Juni 2024 fand die vierte Grabungskampagne am Castrum von Castelseprio statt. Nach Abschluss der Untersuchungen im Inneren des imposanten Gebäudes – das sich, nicht wie bisher angenommen, als spätantikes, sondern als frühmittelalterliches, wahrscheinlich langobardisches Gebäude herausstellte (ein Umstand, der in Italien immer noch außergewöhnlich ist) – wurden die Untersuchungen auf ein großes Außengelände verlegt.

Dort wurden Überreste von Wirtschaftsräumen mit einem Brunnen und einem beheizten Raum, möglicherweise einem Trockenraum, gefunden: Sie könnten für die Erstverarbeitung der im Keller des Wohnturms gelagerten landwirtschaftlichen Produkte genutzt worden sein. Eine lange Mauer mit Holzpfosten (die durch mindestens acht aufeinanderfolgende Löcher angedeutet werden) schloss auch einen Raum ab, der möglicherweise als Stall genutzt wurde: Eine Bautechnik, die untypisch für Italien ist, sondern eher in Mittel- und Nordeuropa, bei den germanischen Bevölkerungsgruppen zu finden ist, hier ergänzt durch Techniken der römischen Tradition.

Im Norden des Geländes wurde ein breiter und tiefer Wassergraben freigelegt, der die Hausburg auf der dem Inneren der Burg zugewandten Seite schützte und eine befestigte Redoute für die letzte Verteidigung bildete.

Die darunter liegenden, auf die Langobardenzeit zurückgehenden Ebenen mit Wohn- und vielleicht sogar Bestattungskontexten, sollen in der nächsten Kampagne analysisert werden.

Auf diese für die Entschlüsselung des Areals bedeutsamen Ergebnisse, die angesichts der Seltenheit von Ausgrabungen an frühmittelalterlichen Herrschaftssitzen von nationaler Bedeutung sind, wird ein dichtes Programm von Analysen und Studien zu verschiedenen Materialgruppen folgen. Kleine Tiegel (mit Silberresten) und Schlacken werden es ermöglichen, die metallurgischen Aktivitäten zu definieren, die die Machthaber kontrollierten.

Gezielte Laboranalysen werden auch an den keramischen Artefakten durchgeführt, wobei innovative genetische und chemische Analysen der Schichten mit organischer Komponente (z. B. der Boden des wahrscheinlichen Stalls) nicht fehlen dürfen, um deren Entstehung und Funktion besser zu verstehen. C14-Analysen werden zu einer genaueren Periodisierung der langen Lebensdauer des Komplexes beitragen. 

Die Ergebnisse, die bereits vor Ort bei den Europäischen Archäologietagen und bei allgemeinen Aktivitäten vorgestellt wurden, werden bei einem künftigen Studientag bekannt gegeben. 

Bis bald also, auf der Suche nach den Langobarden, nach dem, was sie vererbt haben und was sie ihren Nachfolgern – und uns – hinterlassen haben!

Caterina Giostra (Mailand, 29. Juni 2024)